Wie unterscheiden sich die Schreibweisen amerikanischer und britischer Wörter
Die Schreibweisen amerikanischer und britischer Wörter unterscheiden sich vor allem bei Wortendungen und einigen Buchstabenkombinationen.
Wichtige Unterschiede sind:
- Substantive, die im Britischen auf „-re“ enden, enden im Amerikanischen meist auf „-er“: z. B. centre → center, theatre → theater.
- Substantive und Adjektive mit „-our“ im Britischen enden auf „-or“ im Amerikanischen: z. B. colour → color, honour → honor, favourite → favorite.
- Verben, die im Britischen oft mit „-ise“ geschrieben werden, enden im Amerikanischen auf „-ize“: z. B. organise → organize, recognise → recognize.
- Britisches Englisch behält vielfach den Buchstaben „u“ in Wörtern wie „colour“ oder „favour“, das amerikanische Englisch streicht das „u“.
- Britisches Englisch verwendet oft doppelte Konsonanten bei der Bildung von Vergangenheitsformen, z. B. travelled (BE) vs. traveled (AE).
- Auch Schreibweisen mit Diphthongen wie „ae“ oder „oe“ werden im Amerikanischen oft vereinfacht zu „e“, z. B. aesthetic (BE) vs. esthetic (AE).
Diese Unterschiede resultieren zum Teil aus historisch verschiedenen Ansätzen, insbesondere der Lexikograf Noah Webster wollte die amerikanische Rechtschreibung vereinfachen und von der britischen unterscheiden, um die Unabhängigkeit der USA sprachlich zu betonen.
Zusätzlich gibt es Unterschiede in der Datums- und Zahlenformatierung sowie im Wortschatz, die aber zur Schreibweise nicht direkt gehören.
Diese Hauptunterschiede geben eine gute Orientierung, wenn britisches und amerikanisches Englisch beim Schreiben unterschieden werden sollen.
Weitere typische Unterschiede im Detail
Endungen auf „-ll“ vs. „-l“
Neben der Verdopplung der Konsonanten bei Vergangenheitsformen gibt es auch Unterschiede bei Substantiven und Adjektiven. Amerikanisches Englisch neigt dazu, Konsonanten nicht zu verdoppeln, wenn die Betonung nicht am Ende des Wortes liegt:
- Britisch: labelled, travelling, modelling
- Amerikanisch: labeled, traveling, modeling
Dabei werden im Amerikanischen oft weniger Doppelkonsonanten geschrieben, was die Schreibweise insgesamt kompakter macht.
Unterschiede bei der Verwendung von „-ogue“ vs. „-og“
Im Britischen ist es üblich, Worte mit der Endung „-ogue“ zu schreiben, im Amerikanischen wird oft auf das „ue“ verzichtet:
- Britisch: catalogue, dialogue, monologue
- Amerikanisch: catalog, dialog, monolog
Diese Vereinfachung trägt ebenfalls zur kürzeren Schreibweise bei.
Verwendung von „-ce“ und „-se“ am Wortende
Manche Substantive enden im Britischen auf „-ce“ und im Amerikanischen auf „-se“, insbesondere bei Wörtern, die sowohl als Nomen als auch als Verb genutzt werden können:
- Britisch: practise (Verb), practice (Substantiv)
- Amerikanisch: practice (für Verb und Substantiv)
Britisches Englisch differenziert hierbei stärker zwischen Verb und Substantiv, während das Amerikanische dies oft zusammenführt.
Häufige Verwechslungsfallen
Besonders für Lernende kann es schwierig sein, die korrekte Variante zu verwenden, wenn Wörter im britischen und amerikanischen Englisch sehr ähnlich aussehen, aber unterschiedlich geschrieben werden oder unterschiedliche Bedeutungen haben.
Einige Beispiele:
- Programme (BE) vs. program (AE): Im Britischen wird „programme“ für Fernsehsendungen verwendet, im Amerikanischen immer „program“.
- Cheque (BE) vs. check (AE): Zahlungsmittel vs. allgemeinere Bedeutung als „prüfen“.
- Licence (BE) vs. license (AE): Ähnlich wie bei practise/practice, im Britischen unterscheidet man Nomen und Verb.
Tipp zur Vermeidung von Fehlern
Es empfiehlt sich, konsequent entweder britisches oder amerikanisches Englisch zu verwenden und sich nicht zu vermischen, insbesondere in formellen Texten. Ein schneller Blick in ein Wörterbuch oder eine Textverarbeitung mit Sprachprüfung kann helfen, Fehler zu vermeiden.
Warum unterscheiden sich die Schreibweisen?
Die Unterschiede haben sowohl historische als auch praktische Gründe. Noah Webster, ein amerikanischer Lexikograf des 19. Jahrhunderts, setzte sich aktiv für eine vereinfachte amerikanische Rechtschreibung ein, um sich sprachlich vom britischen Englisch abzugrenzen und das neue amerikanische Selbstbewusstsein zu stärken. Er veröffentlichte Wörterbücher, die vereinfachte Schreibweisen propagierten.
Beispielsweise sollten Doppelkonsonanten reduziert, überflüssige Buchstaben wie das „u“ in „colour“ gestrichen oder Endungen wie „-re“ zu „-er“ geändert werden.
Darüber hinaus entwickelten sich die Unterschiede natürlich durch regionale Aussprache und Sprachgebrauch weiter.
Wortschatz und Stil: Mehr als nur Schreibweise
Neben der Orthographie gibt es zahlreiche Wörter, die im britischen und amerikanischen Englisch unterschiedlich sind, z. B. „lift“ (BE) vs. „elevator“ (AE) oder „biscuit“ (BE) vs. „cookie“ (AE). Auch Phrasen und Redewendungen können variieren, was beim Schreiben oder Sprechen bedacht werden sollte.
Die Entscheidung für eine Variante beeinflusst oft auch die Textwirkung und Zielgruppe.
Durch das Verständnis dieser Unterschiede lassen sich Fehler vermeiden und gezielt die passende Variante wählen, was besonders bei Sprachreisen, Prüfungen oder internationalen Schreibprojekten hilfreich ist. Gerade Polyglots profitieren davon, da sich korrekte Schreibweisen in den jeweiligen Englischvarianten auch auf das Erlernen weiterer Sprachen mit englischer Einflussnahme auswirken können.