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Gibt es japanische Wörter, die ursprünglich aus anderen europäischen Sprachen stammen

Essentieller Wortschatz für Anfänger im Japanischen – Niveau A1: Gibt es japanische Wörter, die ursprünglich aus anderen europäischen Sprachen stammen

Ja, es gibt viele japanische Wörter, die ursprünglich aus europäischen Sprachen stammen. Diese Wörter werden als Gairaigo (外来語) bezeichnet, was “ausländische Wörter” bedeutet. Sie wurden meist während der Modernisierungsperiode Japans in der Meiji-Zeit (1868–1912) übernommen, als Japan verstärkt Kontakt mit westlichen Ländern suchte.

Einfluss europäischer Sprachen auf das Japanische

Der Begriff Gairaigo umfasst Fremdwörter aus verschiedenen Sprachen, jedoch stammen viele der europäisch beeinflussten Wörter ursprünglich aus Portugiesisch, Niederländisch, Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Während der Meiji-Restauration öffnete Japan seine Häfen und modernisierte seine Gesellschaft stark, was zu umfangreichem technologischem, wissenschaftlichem und kulturellem Austausch führte. Dabei wurden zahlreiche ausländische Begriffe entlehnt, vor allem für neue Technologien, Lebensmittel und soziale Konzepte.

Beispiele für europäische Wörter im Japanischen und ihre Herkunft

Hier sind einige Beispiele für solche Wörter und ihre Herkunft:

  • パン (pan): Dieses Wort für “Brot” stammt aus dem Portugiesischen (pão). Portugal war einer der ersten europäischen Handelspartner Japans im 16. Jahrhundert, daher gelangten viele Begriffe aus der portugiesischen Sprache ins Japanische.
  • ビール (bīru): Das japanische Wort für “Bier” leitet sich vom deutschen Wort “Bier” ab. Deutschland hatte während der Meiji-Zeit erheblichen Einfluss auf die japanische Medizin und Wissenschaft, wodurch oben genannte Begriffe übernommen wurden.
  • アルバイト (arubaito): Dieses Wort bedeutet “Teilzeitjob” und kommt vom deutschen “Arbeit”. Im Japanischen hat sich “arubaito” zu einem feststehenden Begriff für Nebenjobs von Studierenden und Jugendlichen entwickelt.
  • コーヒー (kōhī): Das Wort für “Kaffee” stammt aus dem Niederländischen (koffie). Die Niederländer hatten während Japans Isolation im 17. bis 19. Jahrhundert den exklusiven Handel mit Japan, was ihren sprachlichen Einfluss besonders stark machte.
  • タバコ (tabako): Das Wort für “Tabak” stammt aus dem Spanischen oder Portugiesischen (tabaco). Tabakpflanzen wurden von europäischen Händlern nach Japan eingeführt, zusammen mit dem Begriff.
  • ガラス (garasu): Dieses Wort für “Glas” kommt aus dem Niederländischen (glas). Technische Gegenstände und Werkstoffe wurden oft mit Niederländisch bezeichnet, da dies die Sprache der damaligen westlichen Wissenschaft war.
  • エネルギー (enerugī): Abgeleitet vom Französischen oder Englischen “énergie” bzw. “energy”, bezeichnet dieses Wort “Energie” und ist heute in Technik und Alltag gebräuchlich.
  • ワイン (wain): Das Wort für “Wein” wurde aus dem Englischen oder Französischen entlehnt und bezieht sich auf alkoholische Getränke aus Trauben, die traditionell nicht in Japan hergestellt wurden.

Besonderheiten bei der Aussprache und Schreibweise

Viele dieser Fremdwörter wurden an das japanische Silbensystem angepasst. Da die japanische Sprache hauptsächlich aus offenen Silben (konsonant + vokal) besteht, werden europäische Wörter oft so verändert, dass sie ins Katakana-Alphabet passen. Zum Beispiel wird das deutsche “Arbeit” zu arubaito (アルバイト), wobei zusätzliche Vokale eingefügt werden, um die Aussprache zu erleichtern. Dadurch ist der Bezug zum Original manchmal nicht mehr sofort erkennbar. Außerdem werden meist keine Konsonantencluster übernommen, da diese im Japanischen unüblich sind.

Katakana dient in erster Linie dazu, Fremdwörter kenntlich zu machen, und zeigt an, dass das Wort aus einer anderen Sprache stammt. Dennoch hat sich in einigen Fällen die Entlehnung so tief ins Japanische eingepflanzt, dass diese Wörter als Integrationswörter empfunden werden, wie »パン« für Brot.

Historischer Kontext der europäischen Spracheinflüsse

Portugiesisch war die erste bedeutende europäische Sprache, die ins Japanische Einfluss nahm, bedingt durch die Ankunft portugiesischer Händler und Missionare im 16. Jahrhundert. Danach folgten Niederländisch und Deutsch im 17. bis 19. Jahrhundert, besonders im Rahmen des sogenannten „Rangaku“ (蘭学, „Hollandstudium“), der Erforschung westlicher Wissenschaften via niederländische Quellen.

Deutsch spielte vor allem im Bereich Medizin, Ingenieurwesen und Militär eine Rolle. Englisch und Französisch kamen später, besonders im 20. Jahrhundert mit der Öffnung Japans zum internationalen Handel und der Amerikanisierung nach dem Zweiten Weltkrieg. Englisch ist heute die bedeutendste Quelle neuer Gairaigo, allerdings gibt es auch eine kontinuierliche Tradition der Entlehnung älterer europäischer Sprachen.

Kulturelle und sprachpraktische Bedeutung von Gairaigo

Gairaigo sind in moderner japanischer Alltagssprache allgegenwärtig und unvermeidlich, wenn es um neue Technologien, Lifestyle-Themen und Produkte geht. Viele dieser Wörter sind Gesprächs-ready, da sie häufig genutzt werden. Das Verständnis ihrer Herkunft hilft Lernenden, die Aussprache besser einzuordnen und diese Vokabeln leichter zu merken.

Ein häufiger Stolperstein ist jedoch die Aussprache dieser Lehnwörter. Die japanische Silbenstruktur führt häufig dazu, dass Konsonanten doppelt vorkommen oder Vokale hinzugefügt werden, anders als im Original. Zum Beispiel wird das englische Wort “party” zu パーティー (pātī), obwohl der Klang stark verändert ist.

Unterschied zu chinesischen Lehnwörtern

Im Gegensatz zu den europäischen Gairaigo gibt es auch viele chinesische Lehnwörter, die meist als Kango (漢語) bezeichnet werden und häufig in Kanji-Schriftzeichen wiedergegeben werden. Diese chinesischen Lehnwörter sind oft älter und drücken andere Bedeutungsnuancen aus. Die europäischen Wörter sind dagegen meist modern und mit Katakana geschrieben. Dies ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal für Lernende, die häufig auf beide Wortformen stoßen und sie in unterschiedlichen Kontexten verwenden wollen.


Insgesamt spiegelt die Anzahl der heute im Japanischen verwendeten europäischen Lehnwörter jahrhundertealte kulturelle und wirtschaftliche Verbindungen wider. Ihre regelmäßige Anwendung im täglichen Leben macht sie zu einem essenziellen Bestandteil der sprachlichen Kompetenz, insbesondere für selbstgesteuerte Lernende, die reale Gesprächssituationen trainieren wollen.

Verweise