Welche Gesten werden in englischsprachigen Ländern als unhöflich betrachtet
In englischsprachigen Ländern gelten einige Gesten schnell als unhöflich, abweisend oder offen beleidigend. Am sichersten ist es, provokante Handzeichen zu vermeiden, besonders bei Streit, im Straßenverkehr, in Bars oder in formellen Situationen.
Welche Gesten gelten als unhöflich oder beleidigend?
- Der Mittelfinger („flipping the bird“): Er gilt in den USA, Großbritannien und Australien als sehr beleidigende Geste, vergleichbar mit einer direkten Beschimpfung. In der Praxis wird er fast immer als Angriff wahrgenommen, nicht als harmloser Spaß.
- Das Victory-Zeichen mit nach innen gedrehter Handfläche: In Großbritannien ist das V-Zeichen mit dem Handrücken zur Person gerichtet eine der bekanntesten obszönen Gesten. Mit der Handfläche nach außen bedeutet es dagegen meist nur „Sieg“ oder „zwei“.
- Der Daumen nach unten („thumbs down“): Diese Geste kann in den USA und anderen englischsprachigen Ländern Ablehnung ausdrücken und je nach Situation als grob oder herabsetzend wirken. Sie ist meist weniger stark als der Mittelfinger, kann aber trotzdem unhöflich klingen.
- Das Heranwinken mit gekrümmtem Zeigefinger („beckoning finger“): Wenn die Handfläche nach oben zeigt und der Finger wiederholt zu sich gezogen wird, wirkt das in den USA und Großbritannien oft herablassend oder wie ein Befehl. Für Menschen ist diese Geste in vielen Situationen unangenehmer als das lockere Winken mit der ganzen Hand.
- Mit dem Finger auf Personen zeigen: In vielen englischsprachigen Ländern gilt direktes Zeigen auf Menschen als grob oder konfrontativ, besonders wenn es in Verbindung mit Vorwürfen geschieht.
- Mit flacher Hand oder Handkante auf jemanden weisen: Auch das kann distanziert oder abwertend wirken, vor allem wenn die Geste wie ein „Ausrichten“ oder „Anordnen“ aussieht.
- Die „OK“-Geste: Der Kreis aus Daumen und Zeigefinger ist in den USA meist harmlos, kann aber in einzelnen Kontexten, etwa bei aggressiver Verwendung oder als absichtliche Provokation, beleidigend verstanden werden. In der Alltagssprache ist sie außerdem nicht überall gleich eindeutig positiv.
- Zeichen mit den Fingern direkt vor dem Gesicht: Kleine, spitze Bewegungen mit den Fingern werden oft als nervös, belehrend oder spöttisch empfunden, besonders in hitzigen Gesprächen.
Warum dieselbe Geste so unterschiedlich wirken kann
Gesten hängen in englischsprachigen Ländern stark von Kontext, Beziehung und Intensität ab. Ein Daumen nach unten in einer Diskussion über ein Essen wirkt anders als dieselbe Geste im Streit mit einer fremden Person. Auch Mimik, Tonfall und Abstand verändern die Bedeutung.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass englischsprachige Länder nicht völlig identische Körpersprachen haben. Großbritannien reagiert auf einige Zeichen, etwa das V-Zeichen mit dem Handrücken nach außen, deutlich empfindlicher als die USA. In Australien und Neuseeland können manche Gesten ebenfalls ähnlich beleidigend wirken wie in Großbritannien, aber der genaue Grad der Schärfe hängt von Region und Situation ab.
Praktische Faustregeln für sichere Körpersprache
- Offene Hand statt spitzer Finger: Eine offene Hand wirkt in Gesprächen meist neutraler und höflicher als ein ausgestreckter Zeigefinger.
- Nicht mit den Fingern befehlen: Wenn etwas gezeigt werden muss, ist eine flache Hand oder eine kurze verbale Erklärung oft weniger hart.
- Streitgesten vermeiden: Mittelfinger, V-Zeichen mit falscher Handfläche und Daumen nach unten sollten in Unsicherheitsfällen weggelassen werden.
- Weniger ist oft besser: In geschäftlichen, akademischen und formellen Situationen ist zurückhaltende Gestik meist die sicherste Wahl.
- Bei Unsicherheit verbal bleiben: Ein kurzes „Could you come over here?“ ist höflicher als ein heranwinkender Finger.
Häufige Missverständnisse
Das größte Missverständnis besteht darin, dass eine Geste in der eigenen Kultur neutral sein kann, in englischsprachigen Ländern aber anders gelesen wird. Das gilt besonders für Handzeichen, die in Filmen oder im Internet allgegenwärtig wirken. Dass eine Geste bekannt ist, heißt nicht, dass sie harmlos ist.
Ein zweites Problem ist ironische Verwendung. Selbst wenn eine Geste „nur scherzhaft“ gemeint ist, kann sie bei Fremden, älteren Personen, Vorgesetzten oder in öffentlich sichtbaren Situationen als echte Beleidigung ankommen. Bei Körpersprache zählt oft weniger die Absicht als die Wirkung.
Kurzüberblick
Die wichtigsten Gesten, die in englischsprachigen Ländern als unhöflich gelten, sind vor allem der Mittelfinger, das V-Zeichen mit nach innen gerichteter Handfläche, der Daumen nach unten und das heranwinkende Fingerzeichen. Wer im Alltag, im Beruf oder auf Reisen respektvoll wirken möchte, fährt mit einer offenen Hand, ruhiger Mimik und klaren Worten am besten.
Gerade beim Sprachenlernen hilft es, solche nonverbalen Signale nicht nur zu kennen, sondern auch in Gesprächssituationen zu üben, weil Körpersprache und Formulierungen zusammen wirken.
Verweise
-
Mind the Gesture: Evaluating AI Sensitivity to Culturally Offensive Non-Verbal Gestures
-
Gewalt der Sprache: Lexikalische Abwertung als (Ab)Bild einer Sprachgemeinschaft
-
Linguistic Politeness and Greeting Rituals in German-speaking Switzerland
-
Anständig bleiben: Über den Zusammenhang von Respekt und Selbstbewusstsein in unseren Tagen
-
“Do you wanna talk about impoliteness? How rude!”. Introduction
-
THE ELEVENTH AND TWELFTH DATA RELEASES OF THE SLOAN DIGITAL SKY SURVEY: FINAL DATA FROM SDSS-III
-
Adult Gannet migrations frequently loop clockwise around Britain and Ireland
-
The orbital period in the supergiant fast X-ray transient IGR J16465—4507
-
Global assessment of marine plastic exposure risk for oceanic birds
-
Multiband variability studies and novel broadband SED modeling of Mrk 501 in 2009
-
Forward flight of birds revisited. Part 2: short-term dynamic stability and trim
-
Kinematic and Aerodynamic Modelling of Bi- and Quad-Wing Flapping Wing Micro-Air-Vehicle
-
The wings before the bird: an evaluation of flapping-based locomotory hypotheses in bird antecedents
-
Effects of Wing Kinematics on Aerodynamics Performance for a Pigeon-Inspired Flapping Wing
-
The Coupled Wing Morphing of Ornithopters Improves Attitude Control and Agile Flight
-
Turbulence causes kinematic and behavioural adjustments in a flapping flier
-
Forward flight of birds revisited. Part 2: short-term dynamic stability and trim