Wie unterscheiden sich die Wortschatzlisten für C1 und C2 im Englischprofil
Die Wortschatzlisten für die Englischprofile C1 und C2 unterscheiden sich vor allem darin, wie breit, wie selten und wie fein nuanciert das Vokabular ist. C1 deckt anspruchsvolle, aber noch relativ gebräuchliche Wörter und Wendungen ab; C2 geht deutlich weiter und umfasst spezialisierte, idiomatische und stark kontextabhängige Sprache. 1
Was C1 im Englischprofil typischerweise abdeckt
C1-Vokabular steht für fortgeschrittene Sprachbeherrschung im Alltag, im Studium und im Beruf. Die Wörter und Ausdrücke sind oft präziser und stilistisch gehobener als auf B2-Niveau, bleiben aber in der Regel in allgemeinen Texten, Gesprächen und Präsentationen noch gut erkennbar.
Typische Merkmale von C1 sind:
- abstraktere und differenziertere Wortwahl, etwa to clarify, to assess, to enable
- formellere Register, zum Beispiel in akademischen oder beruflichen Situationen
- häufige Kollokationen, die in natürlicher Sprache regelmäßig vorkommen
- Redewendungen und feste Verbindungen, die zwar anspruchsvoll sind, aber nicht exotisch wirken
Ein C1-Wort ist oft dann gut einordbar, wenn es für präzise Kommunikation nötig ist, aber nicht nur in sehr speziellen Fachtexten erscheint. Beispiele dafür sind Verben wie contribute, justify, emphasize oder Substantive wie constraint, outcome und advantage.
Was C2 zusätzlich enthält
C2 ist kein bloßes „mehr von allem“, sondern ein Sprung zu feinerer sprachlicher Kontrolle. Die Liste umfasst Wörter, die seltener sind, stärker stilistisch markiert sein können oder je nach Kontext unterschiedliche Bedeutungen annehmen. Dazu gehören auch idiomatische Wendungen, idiomatische Verben und Ausdrücke, die Muttersprachlern vertraut sind, aber im Unterricht oft erst spät auftauchen.
Typische Merkmale von C2 sind:
- sehr präzise oder akademische Lexik, zum Beispiel to substantiate, to disseminate, to circumscribe
- seltenere, literarische oder formale Wörter
- idiomatische Ausdrücke wie to weigh up, to hold water, to go the extra mile
- Wörter mit stark vom Kontext abhängigen Bedeutungen
- Nuancen zwischen nahen Synonymen, etwa marginal, peripheral, insignificant, negligible
Gerade auf C2-Niveau wird der Unterschied zwischen „Wort kennen“ und „Wort flexibel und passend einsetzen“ zentral. Ein Lernender kann ein Wort vielleicht verstehen, aber trotzdem noch nicht natürlich in einer spontanen Diskussion verwenden.
Der wichtigste Unterschied: Gebräuchlichkeit und Kontext
Die C1-Liste ist stärker auf allgemeine Kommunikationsfähigkeit ausgerichtet. Wer C1-Wortschatz beherrscht, kann Informationen klar strukturieren, Argumente ausführen und sich präzise ausdrücken, ohne ständig auf sehr ungewöhnliche Wörter angewiesen zu sein.
Die C2-Liste enthält Wörter und Wendungen, die vor allem dann relevant sind, wenn Sprache sehr genau, elegant oder situationssensibel sein muss. Das zeigt sich besonders in:
- wissenschaftlichen Texten
- juristischen oder administrativen Kontexten
- anspruchsvollen Medienbeiträgen
- literarischer Sprache
- Gesprächen, in denen feine Unterschiede in Haltung oder Bedeutung wichtig sind
Ein Beispiel ist der Unterschied zwischen important auf dem mittleren Niveau, significant auf C1 und paramount oder salient auf höherer Ebene. Alle vier Wörter betreffen Wichtigkeit, aber sie wirken unterschiedlich stark, unterschiedlich formell und nicht in denselben Kontexten natürlich.
Wie die englischen Wortschatzprofile aufgebaut sind
Die englischen Wortschatzprofile folgen einer „can-do“-Rationale: Entscheidend ist, was Lernende mit einer Sprache tatsächlich tun können, nicht nur, welche Wörter theoretisch „schwer“ sind. Grundlage sind Korpusdaten aus realem Sprachgebrauch, darunter auch Lernerdaten wie der Cambridge Learner Corpus. 1
Das ist wichtig, weil Wortlisten dadurch nicht aus isolierten Lehrbuchentscheidungen entstehen, sondern aus beobachtbarer Verwendung. Ein Wort landet nicht automatisch auf einer höheren Stufe, nur weil es selten ist; relevant sind auch Häufigkeit, Funktion, Register und typische Kollokationen.
Praktische Faustregel für Lernende
C1-Wortschatz hilft dabei, flüssig, differenziert und relativ selbstverständlich zu kommunizieren. C2-Wortschatz hilft dabei, sehr präzise, stilistisch sicher und in komplexen Situationen flexibel zu sprechen oder zu schreiben.
Eine nützliche Faustregel lautet:
- C1 = anspruchsvoll, aber noch breit einsetzbar
- C2 = selten, fein nuanciert, stark kontextabhängig oder idiomatisch
Für die aktive Sprachproduktion ist das entscheidend: Viele C2-Wörter werden beim Lesen sofort verstanden, klingen in spontaner Rede aber schnell zu formal, zu akademisch oder unpassend. Deshalb bringt reines Wiedererkennen weniger als kontrollierte Anwendung in echten Sprechsituationen; gerade dort zeigt sich, ob ein Ausdruck wirklich sitzt.
Typische Missverständnisse
Ein häufiger Irrtum ist, C2 als „besseren“ Wortschatz zu sehen. In Wirklichkeit ist C2 vor allem ein genauerer und spezialisierterer Wortschatz. Ein gut gewähltes C1-Wort ist in vielen Gesprächen natürlicher als ein seltenes C2-Wort, das zwar beeindruckend klingt, aber stilistisch nicht passt.
Ein zweites Missverständnis ist, dass C2 vor allem aus langen oder komplizierten Wörtern besteht. Das stimmt nicht. Manche C2-Einträge sind kurz, aber semantisch schwierig oder stark idiomatisch. Auch kleine Wörter können auf höchstem Niveau große Unterschiede machen, etwa in Kombinationen, Präpositionen und festen Wendungen.
Zusammenfassend:
- C1-Wortschatz umfasst gehobenes, aber noch häufig genutztes Vokabular.
- C2-Wortschatz enthält sehr komplexe, seltenere und kontextuell anspruchsvolle Wörter und Ausdrücke.
- Beide Listen basieren auf realem Sprachgebrauch und Korpusforschung und folgen dem “can-do”-Prinzip.
Verweise
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Completing the English Vocabulary Profile : C1 and C2 vocabulary
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A1–B2 vocabulary: insights and issues arising from the English Profile Wordlists project
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Ausdrucksarten – ein neuer Zugang zur Wortschatzvermittlung im DaF-Unterricht
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Features of lexical complexity: insights from L1 and L2 speakers
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ZUM EINSATZ DER STUDY PAGES IN EINEM ZWEISPRACHIGEN WÖRTERBUCH IM DAF-UNTERRICHT