Welche Höflichkeitsformen sind beim Telefonieren in Japan wichtig
Beim Telefonieren in Japan ist die Benutzung von Höflichkeitsformen, insbesondere der sogenannten Höflichkeitssprache “Keigo” (敬語), sehr wichtig. Die alltägliche Begrüßung am Telefon beginnt meist mit dem Ausdruck “Moshi Moshi” (もしもし), der von dem höflichen Verb 申します (mōshimasu), einer Form von “sagen”, abgeleitet ist. Er bedeutet sinngemäß “Hallo, können Sie mich hören?” und wird vor allem im privaten und freundschaftlichen Umfeld verwendet.
In formellen und geschäftlichen Situationen wird “Moshi Moshi” jedoch als zu informell und unhöflich betrachtet. Dort stellt man sich zunächst mit dem Firmennamen und dem eigenen Namen vor, etwa mit Sätzen wie: こんにちは、[Firmenname] の [Name] です (konnichiwa, [Firmenname] no [Name] desu) – „Hallo, hier ist [Name] von der Firma [Firmenname]“. Beim Nachfragen nach einer Person verwendet man die höfliche Form: ○○さんをお願いします (○○ san wo onegaishimasu) – „Darf ich bitte mit Herrn/Frau XX sprechen?“.
Die verschiedenen Ebenen von Keigo im Telefongespräch
Das Gespräch wird mit hohen Höflichkeitsformen geführt, wobei oft Keigo verwendet wird. Keigo lässt sich in drei Hauptkategorien unterteilen:
- Sonkeigo (尊敬語): Ehrende Sprache, um den Gesprächspartner oder Dritte zu ehren. Beispiel: いらっしゃいます (irasshaimasu) als höfliche Form von „sein/kommen/gehen“.
- Kenjōgo (謙譲語): Demütigende Sprache, wenn man sich selbst oder die eigene Seite herabsetzt, um den anderen zu erhöhen. Beispiel: 参ります (mairimasu) als höfliche Form von „gehen“ oder „kommen“.
- Teineigo (丁寧語): Höfliche Sprache, meist durch Endungen wie „-ます“ und „-です“.
Ein Beispiel für die Anwendung in einem Telefonat: Wenn Sie ausdrücken möchten, dass Sie sich zum Gesprächspartner begeben, sagen Sie nicht einfach 行きます (ikimasu), sondern 参ります (mairimasu), um Respekt zu zeigen.
Typische Höflichkeitsfloskeln und ihre Bedeutung
Neben den bereits genannten Floskeln sind im Telefonieren häufig verwendete Phrasen:
- お世話になっております (osewa ni natte orimasu): „Ich bin Ihnen dankbar für Ihre Unterstützung“ – häufig zu Beginn von geschäftlichen Anrufen genutzt.
- 恐れ入りますが (osore irimasu ga): „Entschuldigen Sie die Umstände, aber…“ – ein sehr höflicher Einleitungssatz für Bitten oder Fragen.
- 少々お待ちくださいませ (shōshō o-machi kudasaimase): „Bitte warten Sie einen Moment“ – wird verwendet, wenn der Gesprächspartner gehalten wird.
- 失礼いたします (shitsurei itashimasu): „Ich bitte um Verzeihung“ oder „Entschuldigen Sie die Unannehmlichkeit“ – oft am Ende des Gesprächs als Abschiedsformel.
Häufige Fehler beim Gebrauch von Höflichkeitsformen am Telefon
Auch Lernende und manchmal selbst japanische Muttersprachler machen Fehler im Bereich Höflichkeit am Telefon. Typische Stolperfallen sind:
- Falscher Gebrauch von “Moshi Moshi”: In geschäftlichen Situationen sollte dieser Ausdruck strikt vermieden werden, da er zu salopp wirkt.
- Zu wenig oder zu viel Keigo: Wer keine Balance findet, wirkt schnell entweder unhöflich oder übertrieben distanziert. Es ist wichtig, die jeweilige Beziehung zum Gesprächspartner zu berücksichtigen.
- Verwechslung von Sonkeigo und Kenjōgo: Da diese Formen oft sehr unterschiedlich sind, kann Fehlgebrauch peinlich wirken, z.B. wenn man sich selbst mit Sonkeigo anspricht.
- Unhöfliche Unterbrechungen oder zu direkte Fragestellungen: In Japan gilt es als höflich, Bitten und Fragen möglichst indirekt und mit Höflichkeitsfloskeln zu formulieren.
Schritt-für-Schritt-Kommunikation beim Geschäftstelefonat
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Begrüßung und Vorstellung
Zum Beispiel:- はい、[Firmenname]の[Name]でございます。 (Hai, [Firmenname] no [Name] de gozaimasu.)
„Hier spricht [Name] von der Firma [Firmenname].“
- はい、[Firmenname]の[Name]でございます。 (Hai, [Firmenname] no [Name] de gozaimasu.)
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Anfrage nach dem Gesprächspartner
- [Name]さんはいらっしゃいますか。 ( [Name] san wa irasshaimasu ka?)
„Ist Herr/Frau [Name] anwesend?“
Alternativ: - ○○さんをお願いできますでしょうか。 (○○ san wo onegai dekimasu deshō ka?)
„Darf ich bitte mit Herrn/Frau XX sprechen?“
- [Name]さんはいらっしゃいますか。 ( [Name] san wa irasshaimasu ka?)
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Warten lassen (wenn notwendig)
- 少々お待ちくださいませ。 (Shōshō o-machi kudasaimase.)
„Bitte warten Sie kurz.“
- 少々お待ちくださいませ。 (Shōshō o-machi kudasaimase.)
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Das Gespräch führen
Währenddessen sind höfliche Satzstrukturen und die richtige Verwendung von Keigo wichtig, um Respekt zu zeigen und den Geschäftsstandards zu entsprechen. -
Abschied und Verabschiedung
- ご連絡ありがとうございます。失礼いたします。 (Go-renraku arigatō gozaimasu. Shitsurei itashimasu.)
„Vielen Dank für Ihren Anruf. Auf Wiederhören.“
- ご連絡ありがとうございます。失礼いたします。 (Go-renraku arigatō gozaimasu. Shitsurei itashimasu.)
Besonderheiten bei internationalen Telefonaten
Bei Telefonaten mit ausländischen Partnern, die kein Japanisch sprechen, wird manchmal bewusst auf Hoch-Keigo verzichtet, um die Verständlichkeit zu erhöhen. Trotzdem bleibt eine höfliche und respektvolle Ausdrucksweise wichtig. In solchen Fällen wird eher auf freundliche, klare und einfache Sprache geachtet, während typische japanische Höflichkeitssignale zum Teil reduziert werden.
Zusammengefasst ist beim Telefonieren in Japan die Höflichkeit zentral:
- “Moshi Moshi” nur im privaten Kontext
- Formelle Selbstvorstellung mit Firmenname und eigenem Namen im Geschäftsleben
- Höfliche Anrede und Bitten mit Keigo, unter Beachtung der unterschiedlichen Keigo-Arten
- Professionelle, respektvolle und situationsangepasste Gesprächsführung
- Vermeidung häufiger Fehler wie unangemessene Höflichkeit oder unhöfliche Bitten
Durch das Verständnis und die Anwendung dieser Regeln gelingt es, auch am Telefon einen positiven Eindruck zu hinterlassen und die Kommunikation im japanischen Umfeld erfolgreich zu gestalten.